Schamanische Reise – Innere Vorgänge und die “Anderswelt” wahrnehmen

Eine Schamanische Reise kann grundsätzlich für eigene innere Vorgänge angewendet werden, oder für eine andere Person innerhalb einer Heilarbeit oder im Zusammenhang mit Ursachenforschung eines bestimmten Problems oder Sachverhaltes. Demnach hat eine Schamanische Reise stets ein bestimmtes Anliegen.

Dabei handelt es sich um einen Vorgang, der ähnlich einer Meditation ist. Allerdings werden bei einer Reise bewusst Visualisierungen, Wahrnehmungsebenen und Emotionen eingesetzt. Es ist also kein Vorgang des Erlebens der “Leere”, wie bei manchen Arten der Meditation. Mit Hilfe der bewussten Vorgänge als “Einleitung” einer Reise, können dann unbewusst und spontan weitere Bilder, Gefühle oder physische Reaktionen auftauchen, die zur Problemlösung dienlich sind, oder andere Betrachtungsweisen auf das zu lösende Anliegen implitzieren. Wichtig hierbei ist, dass der Verstand in den Hintergrund tritt und die inneren Vorgänge so genommen werden wie sie sind. Zunächst ohne Wertung und ohne Dinge sofort analysieren zu wollen. Die Spirits, Geisthelfer, Krafttiere und Ahnen beigleiten jede Reise.

Da jeder Mensch unterschiedlich ist, ist das Reisen an sich ebenfalls unterschiedlich. Jeder erlebt Dinge anders und begegnet seinen inneren Vorgängen auf eine andere Art und Weise. Die Wahrnehmung kann unterschiedlich sein, jedoch gibt es drei Grundsätze für den Beginn einer Reise:

– Bewusstwerdung/ Formulierung des Anliegens

– Einen Zugang/ Portal in die „Anderswelt“ finden

– Den Verstand weitestgehend in den Hintergrund tereten lassen

Die Bewusstwerdung des Anliegens ist das Thema einer Schamanischen Reise. Es kann sich dabei um eine Frage handeln, ein Problem, das gelöst werden soll, ein körperliches oder seelisches Leiden, ein Zustand, ein Wunsch, Ursachenforschung oder das Suchen einer Antwort auf einen bestimmten Sachverhalt. Dabei spielt es keine Rolle, ob man für sich selbst reist, oder für eine andere Person. Das Thema sollte dabei möglichst präzise formuliert werden. Es kann helfen das Anliegen mehrmals laut auszusprechen oder sich auf einem Zettel zu schreiben, es zu visualisieren oder einen Gegenstand als Stellverter für das Thema zu haben – jeder Mensch kann dafür seine eigene Methode entwicklen.

Das Portal zur „Anderswelt“ kann ein tatsächliches Portal sein wie beispielsweise eine Tür, Tor, Hauseingang oder eine Pforte. Genauso können Erdlöcher, Höhleneingänge, Wasserlöcher, Grotten, Bögen aus Zweigen, Bäume, Büsche, Treibsand, Moor, Wolken etc. als Portale dienen. Jeder Reisende kann für sich den geeignesten Eingang suchen und finden. Dabei spielt es keine Rolle, ob im wahren Leben der Körper tatsächlich durch das Portal psysisch passt oder nicht. Hierbei kann alles visualisiert werden. Nichts ist unmöglich. Wichtig ist nur die Bewusstwerdung des Eingangs in die „Anderswelt“ und der Zugang zum Unterbewusstsein. Was die beste Methode dafür ist, muss Jeder für sich herausfinden.

Den Verstand in den Hintergrund treten zu lassen bedarf häufig einiger Übung. Die meisten Menchen tendieren dazu Sachverhalte, Situationen und Dinge sofort bewusst und unbewusst zu bewerten und zu analysieren. Das ist der Verstand, der uns warnen will oder bereits erlebtes (besonders negative Erlebnisse) auf das zu lösende Anliegen proiziert. Es ist nicht immer negativ zu verstehen. Der Verstand ist im Leben wichtig! Wie das genau funktioniert wird im Beitrag „Wahrnehmungsebenen im Schamanismus“ behandelt und erörtert.

Bei der Schamanischen Reise wird der Verstand allerdings zumeist nur für die Bewusstwerdung des Themas eingesetzt und kann Hilfreich für die Anfangsvisualisierung sein. Ansonsten befindet sich jeder Reisende auf der seelischen Ebene, in der „Anderswelt“, im Traum, Trance und dem „Inneren“. Dort spielen sich die Vorgänge ab, die für das zu bearbeitende Thema von Bedeutung sind.

Einige Übungen können dabei Helfen, den Verstand für eine Weile in den Hintergrund tereten zu lassen. Eine Beispielübung, die jeder bequem auch zu Hause ausprobieren kann ist die

„Bewusstwerdung eines Gegenstandes“.

Nehmen Sie ein Gegenstand in die Hand, der Ihnen spontan in die Hände fällt. Beispielsweise eine Tasse. Setzen Sie sich mit dieser Tasse an einem ungestörten Ort zu Hause.

Betrachten Sie den Gegenstand genau. Wie sieht es aus? Welche Details fallen Ihnen auf? Welche Merkmale hat die Tasse? Welche Farbe, Größe, Form, Gebrauchsspuren etc.

Dann tasten Sie den Gegenstand (ggf. mit geschlossenen Augen) ab. Wie fühlt sich die Oberfläche an? Ist sie glatt oder rauh? Ist es kalt oder warm? Hat sie Sprünge oder Einkehrbungen? Wie fühlt sich die Form und Struktur an? Welches Material ist es?

Denken Sie danach an die Funktion und Einsatzmöglichkeiten des Gegenstandes. Wofür wird es benutzt? Wer hatte diesen Gegenstand bereits in der Hand gehabt? Wer hat es produziert? Haben Sie es bereits anders benutzt, als auf diese Art und Weise wie es für gewöhnlich verwendet wird? Welche Zweckentfremdung wäre denkbar?

Nun schauen Sie auf den Gegenstand mit etwas zugekniffenen Augen, fokusieren Sie auf einen bestimmten Punk so lange, bis die Tasse vor Ihren Augen „verschwimmt“. Beobachten Sie, was mit dem Gegenstand passiert. Welche Formen nimmt es an? Welche Farben? Welche Emotionen und Gedanken tauchen plötzlich in Ihnen auf? Vielleicht sehen Sie gar nichts, oder es tauchen Erinnerungsfetzen auf oder Bilder? Was rück in Ihr inneres Blickfeld, wenn Sie nicht mehr den Gegenstand sehen, als das was es mit dem Verstand zu erfassen ist? Welche Gedanken, Assoziationen und Gefühle tauchen plötzlich auf, wenn der Verstand in den Hintergrund getreten ist?

Möglicher Ablauf einer Schamanischen Reise – Probieren Sie zu reisen

Dieser Ablauf ist nur ein Beispiel für eine Schamanische Reise, da wie bereits erwähnt, jeder Reisende individuell reist und die inneren Vorgänge und Rituale unterschiedlich sein können.

Ein Eröffnungsritual bildet den Beginn der Reise. Es kann Trommeln sein, Anrufung der Geisthelfer, Rasseln, Räuchern, ein Mantra etc. Jeder Reisende kann sein eigenes freierliches Ritual einsetzten.

Das Anliegen wird vergegenwertigt. Beispielsweise wird das Thema bewusst ausgesprochen, im Geiste vergegenwärtigt oder visualisiert…

Über ein Portal wird nun die „Anderswelt“ betreten.

Diese Welt kann wie ein Garten aussehen, ein Hain, eine Wiese, Höhle, Insel, Meer etc. Nun schauen Sie sich an diesem Ort genau um. Nehmen Sie alles möglichst detaiert wahr. Tauchen wohlmöglich Gegenstände, Landschaften, Tiere, Insekten, Traumwesen, magische Helfer etc. auf? Lassen Sie die Bilder, Emotionen, Gefühle und alles was in Ihr Wahrnehmungsfeld rückt zu. Ohne Wertung und ohne Analyse. Beobachten Sie was um Sie herum passiert.

Benutzen Sie für die Wahrnehmung alle Sinne. Tauchen Geräusche, Gerüche, psysische Reaktionen auf? Spüren Sie Freude, Unsicherheit, Neugierde, Ekstase, Aufregung etc.?

Nun können Sie auch in Gedanken Ihr Anliegen in der „Anderswelt“ äussern oder einen Geisthelfer um Hilfe bitten. Beobachten Sie dann was um Sie herum passiert. Verändert sich die Umgebung? Sind plötzlich bestimmte Farben oder Geräusche verstärkt da? Welchen Weg schlägt Ihre Reise ein?

Wenn Sie den Eindruck haben, dass sich Ihr Anliegen transformiert hat oder Sie genügend Informationen gesammelt haben, kommen Sie wieder über das gleiche Portal zurück, über den Sie in die „Anderswelt“ gekommen sind.

Führen Sie alles im vollen Bewusstsein und ohne Hektik aus. Nehmen Sie sich so viel Zeit, wie Sie benötigen.