Wahrnehmungsebenen im Schamanismus

Wahrnehmungsebenen im Schamanismus

Die Wahrnehmungsebenen bestehen aus drei Komponenten:

Das innerste Selbst, das auch als Körperbewusstsein, das Herz oder das Unterbewusstsein genannt werden kann.

Der Verstand, der für das Bewusste und Rationale steht.

Das höhere Selbst, also der Geist und das Überbewusste mit der Verbindung zur spirituellen Ebene.

All diese Ebenen existieren nicht unabhängig voneinander und können als das gesamte Selbst oder als das Ich verstanden werden. Die Einteilung soll bildlich veranschaulichen, das mehrere Komponenten in einem Menschen existieren, die sich untereinander bedingen und einzeln bewusst gesteuert werden können. Das Steuern einer Ebene wirkt sich demnach auch auf die anderen Wahrnehmungsebenen aus.

Auf der einen Seite ist das „innerste Selbst“ in uns für die automatischen Abläufe des Körpers zuständig, auf der anderen Seite sind alle Erfahrungen, Emotionen, Gefühle und das gesamte Wissen des Universums in jeder Zelle des Körpers gespeichert. Dabei bewertet das Unterbewusstsein zunächst die Erlebnisse von Außen und Innern nicht. Es arbeitet auf der Ebene von Gefühlen und Bildern (Visualisierung) – Dabei spielen Gedanken nur eine untergeordnete Rolle.

Deshalb ist der Zugang zum „inneren Selbst“ und zum Unterbewusstsein eine wichtige Komponente schamanischer Arbeitsweisen und dem Erwecken von Selbstheilungskräften. Mit Hilfe von Visualisierungen und starken Gefühlen, kann das Unterbewusstsein gesteuert werden. Auf dieser Ebene wirken deshalb Affirmationen (sowohl positive als auch negative), Bilder und das Hervorrufen oder gar simulieren von Gefühlen.

Das bedeutet, dass wenn sich eine Person ständig negative Impulse gibt, sich Horrorszenarien vorstellt und stets denkt, etwas wird ohnehin nicht funktionieren, dann richtet sich das Unterbewusstsein genau danach – ohne zu bewerten. Wenn aber positive Konnotationen, Bilder, Affirmationen und Gefühle die negativen Emotionen verdrängen, dann macht das Unterbewusstsein alles um das auch umzusetzen.

Der Verstand, das Zentrum des Bewussten und des Rationalen im Menschen, arbeitet auf der Grundlage des Wissen des Unterbewussten – der Ebene des inneren Selbst. Der Verstand analysiert die Informationen und filtert diejenigen heraus, die der Mensch für einen Moment gerade benötigt. Allerdings hat das Bewusstsein nicht den direkten Zugang zum universellen Wissen, sondern analysiert Dinge eher auf der Grundlage der Erfahrungen des gesamten Lebens einer Person. Es ist die Basis der menschlichen Entwicklung.

Der Verstand kann aber beeinflusst und gesteuert werden – es ist sehr bedeutend, wenn es mit dem Unterbewussten und dem Überbewussten interagiert. Mit Hilfe des Verstandes können Impulse für das Leben gesetzt werden, die sich dann auf die anderen Wahrnehmungsebenen auswirken.

Das höhere Selbst kann weitestgehend als der Sitz der Glaubenssysteme, der Energie, der innersten Träume und der Ideen / Visionen beschrieben werden, auch wenn das nicht immer bewusst wahrgenommen wird. Es ist ebenso der Zugang zu der geistigen Welt, der Anderswelt und der Energie des Universums. Das ist das Zentrum dessen, wie eine Person auf der geistigen Ebene gemeint ist und wie sie wirklich ist. Der Weg zum eigenen höheren Selbst kann mit Hilfe von Meditation, Mantren, Trance-Zuständen, bewussten Träumen oder Schamanischen- und Seelenreisen erreicht werden.

Mit diesem uralten Wissen arbeiten Schamanen bis heute weltweit. Viele psychische und körperliche Leiden und Krankheiten basieren nicht nur auf den äußeren Einflüssen, wie beispielsweise Unfällen, Viren, Bakterien, genetischen Dispositionen, Ernährungs- und Lebensweisen, etc. sondern können eine Manifestation (psychisch und physisch / psychosomatisch) eines Ungleichgewichts im menschlichen System sein.

Schamanische Arbeit bedeutet weitestgehend alle drei Wahrnehmungsebenen aus zu balancieren. Wenn alle Ebenen im Gleichgewicht sind, kann das Energiesystem des Menschen optimal arbeiten und die Selbstheilungskräfte wirken.

Quellenangaben

Reimers, Andreas: Die psychosomatische Medizin im Spannungsfeld zwischen Magie, Religion und Naturwissenschaft, in: Fiedermutz-Laun; Pera; Peuker; Diederich: Zur Akzeptanz von Magie, Religion und Wissenschaft, 2002, S. 263-276

Tolle, Erkhart: The Power of Now, 2004

Hay, Louise: I can do it!, 2002

Driver, Oliver: Selbstheilungspraxis. Der schamanische Weg, 2010

Harner, Michael: Der Weg des Schamanen, 2011

Gmoser, Karin: Das Unsichtbare im Schamanismus, 2008

Das Zusammenspiel zwischen Körper und Geist

Das Zusammenspiel zwischen Körper und Geist

Dieser Beitrag soll die Grundlagen der holistischen (ganzheitlichen) Betrachtungsweise des Menschen im Zusammenhang mit alternativen Therapiemethoden beleuchten. Dabei werden keine speziellen Behandlungsmethoden fokussiert, sondern das Zusammenspiel und die Grundlagen des Ganzheitlichen betrachtet.

Heutzutage wird bei Heilmethoden immer mehr der Fokus auf das Zusammenspiel zwischen Körper und Geist gelegt. Besonders sichtbar ist es an den Stellen, wo die Schulmedizin an ihre Grenzen stößt und sich ein Betroffener alternativen Therapiemethoden zuwendet. Oftmals können dann Schmerzen gelindert oder kuriert werden, psychische Verstimmungen gemildert werden und körperliche Vitalität wieder erreicht werden. Es wird in der Wissenschaft immer wieder an den psychosomatischen Ursachen eines Leidens geforscht.

Alternative Heilmethoden und ‐mittel werden nicht nur im Bereich der somatischen Medizin, sondern auch bei psychischen Störungen in breitem Maße angewendet und empfohlen. Dieser Trend, der sich in der Selbsthilfeliteratur sowie in der Laienpresse schon seit längerem abzeichnete, findet zunehmend auch in Fachkreisen Resonanz.“ in: Dr. med. Samuel Pfeifer, Alternative Heilmethoden bei psychischen Erkrankungen, Riehen 1993

Der Psychologe Prof. Dr. Harald Wallach geht beispielsweise davon aus, dass ein menschlicher Organismus ein nicht lineares System sei. Demnach können kleinste lokale Wechselwirkungen Auswirkungen auf organischer Ebene haben. Also können alternative Heilmethoden, die nicht pharmakologisch oder medizinisch belegt sind, sehr wirksam sein. Wenn der Körper als ein System betrachtet werden kann, das sich im kontinuierlichen Fluss von Materie, Energie und Information befindet, dann können sich gerade Therapien wie beispielsweise Energieübertragung, Handauflegen, Reiki, Schamanismus, Yoga, Meditation, Homöopathie etc. auf das System positiv auswirken.

Zudem verfügt der menschliche Organismus über Selbstheilungskräfte. Ein gesunder Mensch kann negative Einflüsse wie Toxine, Umweltfaktoren, einseitige Ernährung, Stress, psychische Belastungen usw. abwehren. Es ist das Prinzip der Selbstheilungskräfte im kybernetischen Regelkreis. Wenn der kontinuierliche Fluss von Materie, Energie und Information im menschlichen Körper und dem Geist im Gleichgewicht ist, können die Selbstheilungskräfte optimal wirken. Die Energieebenen setzten sich aus vier Ebenen zusammen: Vitalebene, Emotionalebene, Mentalebene und der Kausalebene. Eine Vielzahl alternativer Heilmethoden setzt genau an dieser Energieebene an. Sie unterstützt und belebt sogar die eigenen Selbstheilungskräfte mit Hilfe von Energieübertragung.

Weltweit existieren Vorstellungen, wonach bestimmte Rituale, Schutzamulette, Gesang, Trommelmusik, rituelle Einsalbungen, Trancezustände, Verbindung zu der „Anderswelt“ etc. zur Heilung beitragen. Sie werden in der Heilarbeit eingesetzt. Diese Kulte und Vorstellungen basieren auf dem Verständnis des Menschen als ein Teil des Universums, das nicht unabhängig von Materie, Energie und der Umwelt existieren kann. Auf den Philippinen beispielsweise werden Rituale eingesetzt, um eine Person vor dem Einfluss von Dämonen zu schützen. In Benin und auf Haiti wird die alte Voodoo-Religion praktiziert. In Peru, Ecuador, Tibet oder auch Sibirien wirken Schamane und Heiler, die Krankheiten heilen und Schadenzauber und Flüche von Menschen fern halten können. In Nordafrika und der Sahara leben Heilpflanzenkundige, Seher und mystische Heiler.

Heutzutage kann eine Rückbesinnung in der westlichen Welt auf die Medizin der Naturvölker, Traditionen der Pflanzenheilkunde und Rituale im europäischen Raum oder der asiatischen Heiltherapien verzeichnet werden. Neben der Schulmedizin werden alternative Methoden der Heilung in Betracht gezogen. Immer häufiger stellen (besonders psychologische und neurologische) Untersuchungen fest, dass sich solche Methoden bewähren. Das Zusammenspiel zwischen Körper und Seele in der holistischen Betrachtungsweise ist der Therapieansatz, der in der Zukunft immer mehr Bedeutung in der Behandlung physischer und psychischer Leiden eingesetzt werden wird.

Quellenangaben

Dr. med. Pfeifer, Samuel: Alternative Heilmethoden bei psychischen Erkrankungen, Riehen 1993

 Winnicki, Cesar: Komplementärmedizin nach 20 Jahren Erfahrung, 2011

Dr. Banis, Reimar: Heilung durch Energiemedizin, 2012

Utsch, Michael: Spirituelle Lebenshilfe, 2014

Frazer, James: The Golden Bough. A Study in Magic and Religion, 1960

Kasten, Erich: Schamanen Sibiriens. Magier-Mittler-Heiler, 2009

Kwaak, Anke: From modern Myth to Global Encounters, 2005